Urlaub schenken

Wenn aus Ferien Zukunft wird

Niklas, Finn und Lukas berichten von ihren Erfahrungen mit der „Aktion Kindern Urlaub schenken".

Gänse, Lagerfeuer und eine Begegnung fürs Leben.

„Das erste Mal so richtig Urlaub? Das war auf diesem Bio-Bauernhof in Hessen", erinnert sich Niklas. „Ja, weißt du noch, das Reinholen der Gänse und Hühner war immer am coolsten. So ein Lärm, wenn wir sie Richtung Stall gescheucht haben", lacht Finn. „Nee, noch cooler war das Lagerfeuer. Mit Stockbrot und Marshmallows grillen und so … oder das Melken und Käse machen – gar nicht so leicht!", erinnert sich Lukas.

Die drei jungen Männer schwelgen in Erinnerungen an ihre gemeinsamen Sommerurlaube. 24 Jahre sind sie jetzt alt. Aber sie sind keine Brüder, die mit ihrer Familie harmonische Sommertage verbracht haben. Sie haben sich erst im Urlaub kennengelernt – im Weimarer Projekt „Stadtrandfreizeit" der Aktion „Kindern Urlaub schenken" von Kirche und Diakonie.

Alltage, die schwer waren

Sieben oder acht war Lukas, als er das erste Mal dabei sein durfte. Seine alleinerziehende Mutter hatte eine schwere Epilepsie. Als der Familienhelfer ihm sagte: „Du, da gibt es ein paar Kinder, die machen in den Ferien Ausflüge zusammen: Kletterwald, Schwimmbad, Paddeln – hast du Lust?" – da zögerte er keine Sekunde. Zehn Jahre lang war er dabei. „Ich habe mich immer schon auf die erste Sommerferienwoche gefreut, denn dann ging's wieder los."

Niklas' Mutter und Stiefvater hatten keine Zeit für ihn und seine Schwester. In den Ferien war er höchstens mal ein paar Tage bei seiner Oma. Als sie dann einen Schlaganfall erlitt, ging auch das nicht mehr. „Freundschaften wie unsere – das ist das, was mir fürs Leben bleibt. Und das Gefühl, den Alltag mal hinter sich zu lassen. Der war immer kompliziert genug."

Für Finn war die Stadtrandfreizeit das erste Mal, dass er eine Gruppe erlebt hat, in der er nicht gemobbt wurde – in der er einfach er sein konnte. Seine Eltern waren drogenabhängig, er und seine Geschwister meist sich selbst überlassen. „Ich hab‘ mich immer riesig gefreut auf diese Urlaubstage. Das hat sich so frei und leicht angefühlt, wie eine andere Welt."

Mehr als Ferien: Auszeit, Gemeinschaft, individuelle Förderung

Die Aktion Kindern Urlaub schenken ermöglicht Ferienreisen, Tagesausflüge und Freizeiten für benachteiligte Kinder. Kinder wie Niklas, Finn und Lukas es waren – damals. Ein paar Tage dem schwierigen Alltag entfliehen, Wertschätzung erfahren, Selbstvertrauen tanken und eine Gemeinschaft erleben, in der man aufeinander achtet, das ist Gold wert. Erfahrene pädagogische Fachkräfte begleiten und unterstützen sie dabei.

„Das Miteinander – das fühlte sich wie Familie an. Und ohne diese Aktion hätte ich euch auch nie kennengelernt", strahlt Lukas die anderen beiden an. „Stimmt", sagt Niklas, „das will ich mir gar nicht vorstellen!"

Heute: drei Männer, drei Wege

Alle drei haben ihren Weg gefunden. Lukas arbeitet als Assistent der Geschäftsführung in einer Weimarer Gedenkstätte – und trägt die Idee, Soziale Arbeit zu studieren, noch immer im Herzen. Finn ist Autolackierer geworden. „Ich liebe Farben. Das Leben ist schöner, wenn es bunt ist." Niklas ist stellvertretender Küchenchef eines Weimarer Restaurants. Ob das damals auf dem Biohof begann, als er Gemüse erntete und selbst kochte? „Kann schon sein…", lacht er.

Zwei Jahrzehnte für Kinder in Mitteldeutschland

Seit 20 Jahren schenken wir Kindern und Jugendlichen geförderte Auszeiten. Seit Gründung der Aktion im Jahr 2006 wurden über 3.580 Ferienprojekte gefördert und 64.200 Kinder und Jugendliche in Mitteldeutschland erreicht – ermöglicht durch Menschen, die genau solche Momente möglich machen wollen.

Was als spontanes Hilfsprojekt begann, hat sich über die Jahre etabliert – weil der Bedarf es verlangte. Die Geschichte von Niklas, Finn und Lukas ist auch eine Erfolgsgeschichte. Doch sie erzählt zugleich von einer Lebensrealität, die für viele Kinder in Mitteldeutschland bis heute gilt: Beinahe jedes vierte Kind ist hier von Armut bedroht. Auch nach zwei Jahrzehnten bleibt das eine drängende gesellschaftliche Aufgabe.

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